Mehr als Äppelwoi und Rippchen: Essen und Trinken in Hessen

LeipzigFrankfurter Würstchen, gekochte Rippchen und dazu ein Glas Apfelwein bzw. „Ebbelwoi“, der gerne in Krügen namens „Bembel“ ausgeschenkt wird: die landestypisch deftigen Genüsse fallen uns zum Stichwort „Hessen, kulinarisch“ hauptsächlich ein, doch bietet die regionale Küche Hessens weit mehr als diese bekannten Frankfurter Dauerbrenner.

Hessenland - Kartoffelland

Fangen wir mit einem Grundnahrungsmittel an: Hessen ist Kartoffelland. Gegen manche Widerstände eingeführt, galten die nahrhaften Knollen zunächst als Speise für Arme und das Vieh. Erst im 19.Jahrhundert wurde sie zum Lebensmittel Nummer 1 für die breite Masse und verdrängte zunehmend althergebrachte Nutzpflanzen wie Rapunzel, Rüben, Hirse, Buchweizen und Hafer vom Speiseplan.

Sehr typisch für Hessen sind seither Gerichte auf Basis von Kartoffeln und Brot. Zum Beispiel die „Beulches“: Geriebene rohe Kartoffeln, deftig gewürzt, vermischt mit Lauch, Zwiebeln und klein geschnittenem Pökelfleisch werden in Leinenbeutelchen gefüllt und gekocht. Von den Beuteln befreit, in Scheiben geschnitten und angebraten, kommen sie mit Zwiebel- oder Bratensoße auf den Tisch.

Ähnlich der italienischen Pizza gibt es auch belegte Brot- und Hefekuchenvarianten, die früher beim Brotbacken gleich mitgebacken wurden. Der Bloatz besteht aus dünnem Brotteig, auf dem Kartoffeln, Zwiebeln und Speck verteilt werden. Je nach Menge der jeweiligen Zutaten heißt das Gericht “Zwibbelbloatz” oder “Kartoffelbloatz“. Die Spezialität ist im Vogelsbergkreis besonders beliebt und wird in jedem Fall warm gegessen.
Im Herbst jeden Jahres rufen Odenwälder Wirte zur Zeit der Kartoffelernte zu „Kartoffelwochen“ auf und zeigen, was aus der duftenden Knolle herzhaftes und Köstliches zubereitet werden kann. Eine gute Gelegenheit für Reisende, die Fülle der Kartoffel-Spezialitäten kennen zu lernen.

Rohes und halb Vergorenes: Grie Soß und Handkäs

Natürlich sind Pell- oder Bratkartoffeln auch die Sattmacher, die zur berühmten Frankfurter Grünen Soße („grie Soß“) gereicht werden. Das hessische Schnellgericht ist im Grunde ein reines Rohgericht: jede Menge grüne Kräuter, die mit Schmand, Quark, Joghurt oder Mayonnaise und klein gehackten Eiern vermengt auf den Tisch kommen. Ein einfaches, jedoch äußerst wohlschmeckendes Gericht, das im Sommer als leichtes Mittagessen den Magen nicht belastet.

Rohes und halb Vergorenes wird in der hessischen Küche gerne genutzt, was vielen zunächst recht abenteuerlich erscheint. Fasst man aber Mut und probiert zum Beispiel den „Handkäs“, kann es sein, dass man nicht mehr davon lassen möchte: der wohlschmeckende Sauermilchkäse ist besonders fettarm, schmeckt pikant und kommt meistens mit einer Zwiebelvinaigrette auf den Tisch. Hessen nennen das fertige Gericht dann “Handkäs’ mit Musik“. Ursprünglich wurde der Käse mit der Hand geformt, doch erlebte er seinen Boom erst, als der Gastwirt Peter Traiser aus Groß-Gerau 1881 die Handkäs-Maschine erfand. Mit ihr konnten nun 4000 bis 10.000 Rundkäse in der Stunde hergestellt werden, was ihn zu einem günstigen Essen für die Fabrikarbeiter im Rhein-Main-Gebiet machte – und später zur nicht mehr wegzudenkenden hessischen Spezialität.

Süßigkeiten

Menschen, die auf Kalorien achten müssen, tun gut daran, den „Frankfurter Kranz“ links liegen zu lassen: mit Buttercreme und Konfitüre gefüllt und mit Krokant ummantelt, ist er der Star in hessischen Konditoreien und von der gemütlichen Kaffeetafel nicht wegzudenken. Auch die Bethmännchen haben es in sich: die Gebäckspezialität aus Frankfurt besteht aus einem Marzipanteig aus gemahlenen Mandeln, Puderzucker und Rosenwasser. Daraus werden kleine Kugeln geformt, die mit je drei halben Mandeln verziert, mit Eigelb glasiert und gebacken werden.

Etwas weniger zu Buche schlagen die Blechkuchen aus Mürb- und Hefeteig, die in den hessischen Bäckereien in großer Vielfalt angeboten werden: Butterkuchen, Streuselkuchen, Bienenstich, Eierschecke und „Zwetschgendatschi“. Je ach Belag trägt der Kuchen einen anderen Namen. Einige Varianten haben weit über Hessen hinaus Karriere gemacht.

Und der Wein ?

Dem hessischen Apfelwein und den berühmtem Weinen aus dem Rheingau und anderen Weinbaulagen werden wir einen eigenen Artikel widmen, da das Thema den Umfang eines zumutbaren Blogbeitrags bei weitem sprengt – schauen Sie einfach mal wieder rein !

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