Monatsarchiv für Oktober 2008

Von Rübchen, Plinsen und Havelzander: Kulinarisches aus Brandenburg

Montag, den 27. Oktober 2008

Essen und Trinken in Brandenburg war in der Nach-Wende-Zeit kein guter Grund, das Land zu besuchen: es gab einfache, wenig schmackhafte Gerichte, wenn man überhaupt das Glück hatte, einen Gasthof zu finden.
Doch diese wenig gaumenfreundliche Situation hat sich im letzten Jahrzehnt massiv geändert: An Restaurants herrscht kein Mangel mehr und viele Brandenburger Landgasthöfe verwöhnen ihre Gäste mit Spezialitäten aus frischen, regionalen Produkten, landestypisch zubereitet.

Zum Beispiel Fisch: 3000 Seen und über 30.000 Kilometer fließende Gewässer machen Fisch zu einer der Hauptspezialitäten des Landes. Besonders beliebt ist der Havelzander, der in vielen Variationen zubereitet wird: Gegrillt, gebacken, gedünstet, auf Porreegemüse oder in Dillkruste mit Schmorgurken und Semmellinsenknödeln – in fast jedem Restaurant begegnet man einer eigenen Rezeptur. Auch Aal, Hecht, Forellen und Karpfen erfreuen sich großer Beliebtheit, so dass Fischfreunde in Brandenburg in jedem Fall auf ihre Kosten kommen.

Kartoffeln und Gemüse

Dass in deutschen Landen die Kartoffel eingeführt wurde, verdanken wir dem „Kartoffelbefehl“ des großen Friedrichs, König von Preußen. Er bestand darauf, dass die Bauern der Mark die neue Feldfrucht anbauen sollten und ließ sogar die Felder von Soldaten bewachen, um den Erlass durchzusetzen.
Kein Wunder, dass auch heute noch die Kartoffel in der Brandenburger Küche die Hauptrolle im Reich der Beilagen spielt! Reisende können bei einem Besuch des Flämings im südwestlichen Brandenburg eine lehrreiche „Kartoffeltour“ buchen, die der dortige Tourismusverband anbietet.

BrandenburgNeben den aus der traditionellen deutschen Küche nicht wegzudenkenden Kartoffeln gilt Brandenburg auch als „Gemüsegarten Berlins“. Berühmt sind z.B. die Spreewälder Gurken: Als Senf-, Gewürz- und saure Gurken kommen sie heute nach nur noch 1-tägiger Zubereitungszeit auf den Markt. Das Geheimnis ihres besonderen Geschmacks bleibt wohl gehütetes Geheimnis der ca. zwanzig Spreewälder Einlegereien, doch weiß man immerhin von Basilikum, Zitronenmelisse, Wein-, Kirsch- oder Nussblättern, die als würzige Zutaten verwendet werden.

Während der Spargelsaison ist der Beelitzer Spargel in aller Munde, der heute auf fast 1000 Hektar angebaut wird und doch nie ausreicht, um die Nachfrage zu befriedigen. Schon der Dichterfürst Goethe, der einst auf dem Weg nach Weimar auch durch Beelitz kam, schrieb: “Der Spargel ist wahrlich der König aller Gemüse; bedauerlich nur, dass seine Herrschaft so kurz währt.”

Eine weitere Brandenburger Spezialität sind die Teltower Rübchen, eine würzige Zuchtform der weißen Rübe, die neuerdings eine Renaissance in der Gourmet-Küche erleben: ihr pikanter Wohlgeschmack und ihre milde Schärfe bei nur wenigen Kalorien macht sie zum preiswerten Geheimtipp für Feinschmecker.

Obstbrände und Süßigkeiten

Werder an der Havel ist ein bekanntes Obstanbaugebiet, dessen Obstsorten vornehmlich zu Obstlern verarbeitet werden – ein stark alkoholischer, aber dennoch sehr fruchtiger Genuss. Auch im Fläming kann man wohlschmeckende Liköre und Obstbrände verkosten und z.B. im Kloster Zinna die Herstellung des Zinnaer Klosterbruders besichtigen.

Womit wir im Reich der süßen Genüsse angekommen wären, nämlich beim Nachtisch, bei dem Brandenburg mit vielerlei erfreulichen Köstlichkeiten aufwarten kann, nämlich Kuchen, Torten und Spezialitäten wie z.B. die Plinsen: eine regionale Variante der Eierkuchen, die gerne mit Früchten serviert werden.
Das berühmte Fürst-Pückler Eis, das von einem Brandenburger Konditormeister erfunden wurde, hat es längst in die internationalen Kühltruhen geschafft. Traditionell besteht es aus Schokoladen- und Erdbeereis mit einer zusätzlichen Eis-Makronen-Masse, doch kennen wir heute vor allem die Variante aus Erdbeer-, Schoko- und Vanille-Eis, das mit seiner Lockerheit und geringeren Fetthaltigkeit auch allen mundet, die auf die schlanke Linie achten müssen.

“Lütt Dirn, Kumm man röwer, ick hebb ‘ne Birn.”

Birnen BrandenburgWem das immer noch zu gehaltvoll ist, der kann in Brandenburg ganz stilvoll zur Birne greifen, die Theodor Fontane mit seinem Gedicht über den freigiebigen Birnenverteiler Herrn von Ribbek auf Ribbek im Havelland berühmt gemacht hat. Seit 1999 lebt Carl Friedrich von Ribbeck, ein Urenkel in siebenter Generation, wieder in Ribbeck und produziert Birnen, Obstler („Ribbecks Birnenbrand“) und Essig. Er will dem Dorf die Vergangenheit als Erlebnisdimension erhalten, z.B. durch Veranstaltungen wie die jährliche „Ribbeker Sommernacht“ im alten Schloss, wo Klassik, Jazz, Artistik und Kleinkunst moderne und alte Zeiten aufleben lassen.

Urlaubstipps für Brandenburg: Kurzurlaub in Neuruppin, Wellness- und Schlosshotels Brandenburg

Kulinarische Reisewege: Bierstraße im Doppelpack

Donnerstag, den 16. Oktober 2008

BayernDeutschland wird als Reiseziel immer beliebter und damit wächst auch das Angebot sehr spezieller touristischer Ziele:
Kulinarische Reisewege sind oft frühere Handelsrouten, auf denen Waren wie Salz oder Bier transportiert wurden. In anderen Fällen sind es touristische Themenwege, die eigens für bestimmte Spezialitäten eines Landstrichs konzipiert wurden.

Die Bayerische Bierstraße

Zum Beispiel rund um das Bier: Die Bayerische Bierstraße verläuft von der Stadt Ingolstadt ausgehend bisher durch die Landkreise Neuburg-Schrobenhausen, Pfaffenhofen an der Ilm und Kelheim.

HopfenSie führt durch das weltgrößte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet Hallertau, wo im Jahr 2005 über 85 Prozent des deutschen Hopfens erzeugt wurde. Es wundert nicht, dass die Bundesstraße 301 auch den Beinamen „deutsche Hopfenstraße“ führt, doch allein die Bierstraße ist es, auf der dem Gast viel Interessantes rund ums Bier erfährt, das in Bayern bekanntermaßen zu den Lebensmitteln zählt.

Die Zusammensetzung des Bayerischen Bieres ist bis heute durch das wohl älteste Lebensmittelgesetz der Welt geregelt. Das Bayerische Reinheitsgebot für Bier wurde im Jahr 1516 in Ingolstadt erlassen, von wo aus die „Bierstraße“ in verschiedenen Varianten z.B. nach Wolznach führt, wo das „Deutsche Hopfenmuseum“ auf einer Fläche von 1000 m² Bilder, Schriftdokumente, Werkzeuge und Geräte des Hopfenanbaus vom 16. bis 19 Jh. ausstellt.
Besucher erfahren hier auch, warum die Erfindung des süffigen Getränkes den Frauen zu verdanken ist und dass früher Wein und nicht Bier bayerisches Nationalgetränk war.
Weiter geht es auf der Bierstraße nach Neuburg an der Donau, wo man im historischen Stadtschloss „Kultur tanken“ kann. An den Schrobenhausener Spargelfeldern vorbei führt die Straße Richtung Altmühltal, dem größten Naturpark Deutschlands. Hier lässt sich im Brauerei-Museum, im Felsenkeller-Labyrinth in Beilngries am Fuße des Hirschbergs, auf die Braukultur bis ins Jahre 1450 zurückblicken. Oder man zweigt nach Kehlheim ab, wo man das Bierbrauen erlernen kann.
Die Bayrische Bierstraße ist mit dem Auto, zu Fuß oder mit dem Rad zu bereisen.
Die Radwanderkarte “Bayerische Bierstraße“ präsentiert fünf verschiedene Radtouren durch das Herz Bayerns, die nicht nur Bierfreunden gefallen. Eine der Touren führt von Oberammergau über Ettal, Bad Tölz (Hotel in Bad Tölz) und München nach Ingolstadt. Station machen sollte man auf jeden Fall auch in Kloster Ettal, wo die Benediktiner Mönche seit vier Jahrhunderten Bier brauen.

Die Aischgründer Bierstrasse

Eine weitere, nämlich die Aischgründer Bierstraße widmet sich der Fränkischen Bierkultur. Franken ist immerhin das Land mit der höchsten Brauereidichte der Welt, hat eine eigene „Bierstraße“ also mehr als verdient.

BrauereiIm Aischgrund, der sich im Steigerwald zwischen Bamberg und Rothenburg o.d.Tauber erstreckt, blickt man auf eine lange Brautradition zurück, denn hier wird bereits seit 1639 nach dem Deutschen Reinheitsgebot Bier gebraut. Die Aischgründer Bierstraße verläuft auf rund 50 Kilometern zwischen Bad Windsheim und Uehlfeld.
Entlang der Strecke laden acht Brauereien und zahlreiche typisch fränkische Gasthäuser zum Verweilen ein. Jede der acht fränkischen Familienbrauereien hat ihre besondere Spezialität und das Bier einen entsprechend individuellen Geschmack. Man kann also regelrecht auf geschmackliche Entdeckungsreise gehen.
Im Bad Windsheimer Fränkischen Freilandmuseum mit seinem historischem Kommunbrauhaus wird zudem wöchentlich „Museumsbier“ gebraut, doch ist auch die schöne Altstadt einen Abstecher wert. Wellness-Freunde finden in der Franken-Therme Gelegenheit, ausführlich zu entspannen und die vielfältigen Wellness- und Beauty-Angebote der modernen Anlage zu nutzen (Tip: Wellness in Bayern)

Neben vielen kulturellen Sehenswürdigkeiten wie Burgen, Schlösser, Kirchen und Museen auf der gesamten Strecke, sollte man auch das einmal im Jahr in Neustadt an der Aisch stattfindende „Aischgründer Bierfest“ nicht verpassen. Im Rahmen von Bierseminaren kann man dort auch den Titel „Dr. Bierologis causa“ erwerben. Für jeden Absolventen gibt es eine Urkunde und einen original “Aischgründer-Bierstraßen-Krug”, der mittlerweile einen gewissen Sammlerwert haben soll. Denn ohne Anstrengung ist er nicht zu bekommen – allzu bierernst sollte man den Doktortitel aber auch nicht nehmen!

Ostfriesische Küche: Mehr als Grünkohl und Pinkel

Dienstag, den 7. Oktober 2008

Ostfriesland: der malerische Landstrich im äußersten Nordwesten der Bundesrepublik grenzt an die Nordseeküste und gilt wegen seiner hohen Himmel und weiten Horizonte als besonders entspannend und seelenberuhigend.
So weit das Auge reicht blickt man auf grüne Weiden, leuchtende Rapsfelder, auf Moore, Geest und Marsch, durchzogen von Kanälen, Schleusen und Klappbrücken. Zwischen den Ostfriesischen Inseln und dem Festland lockt das Wattenmeer viele Besucher bei Ebbe zu den berühmten Wattwanderungen – und nach einem solchen Naturerlebnis stärkt man sich selbstverständlich mit ein paar Tassen ostfriesischem Tee!
Ein Tipp für Ihren Nordseeurlaub: Ferienhäuser in Dänemark

Zur Begrüßung drei Tassen Tee

Die Teekultur Ostfrieslands ist in Deutschland einmalig: Ostfriesen verbrauchen zehnmal soviel Tee wie die restlichen Bundesbürger, nämlich 288 Liter pro Kopf und Jahr.
Typischerweise wird Ostfriesentee getrunken, eine Mischung aus Assam-Sorten, die einen dunklen, kräftigen Tee ergibt. Wie die Engländer genießen Ostfriesen ihre Teezeit, die ostfriesisch Teetied heißt. Man trinkt den Tee aus kleinen Moccatassen und süßt mit Kandiszucker („Kluntje“), dazu gibt’s den Rahm frischer Kuhmilch. Nach alter Sitte werden zur Begrüßung mindestens drei Tassen getrunken („Dree is Ostfreesenrecht“) und wer keinen Tee mehr wünscht, lässt den Teelöffel in der Tasse.

In Norden, der ältesten Stadt Ostfrieslands, führt ein Teemuseum in die Geschichte und Bedeutung des ostfriesischen „Nationalgetränks“ ein. Die ganze Verarbeitungskette vom Anbau der Teepflanze über Ernte und Verarbeitung bis zum fertigen Fernhandelsprodukt kann man hier besichtigen.

Pinkel, Nagelholz und süße Suppen

Passend zur Landschaft ist die Küche Ostfrieslands herzhaft und nahrhaft, eher kräftig und deftig als fein. In den letzten Jahren wird die Urtümlichkeit vieler ostfriesischer Speisen jedoch als Standortvorteil entdeckt: Gourmet-Restaurants entwickeln Varianten der traditionellen Spezialitäten und in Verbrauchermärkten wirbt man mit Sonderaktionen für altostfriesische Landesprodukte.

Das wohl bekannteste ostfriesische Hauptgericht ist der Grünkohl mit Pinkel (eine geräucherte Grützwurst), ersatzweise mit Kassler oder durchwachsenem Speck. Das Fleisch wird im Grünkohl mitgegart und mit mildem Senf abgeschmeckt. Seinen unverwechselbaren Geschmack bekommt dieses Gericht allerdings erst nach dem ersten Frost, den der Grünkohl noch vor der Ernte erlebt haben muss, um sein volles Aroma zu entfalten.
Sehr beliebt sind die bei Winteranbruch statt findenden Grünkohlfahrten, auf denen man „boßelt“ (ein Spiel ähnlich dem französischen Boule), viel Korn trinkt und dann in einem Landgasthof bei Grünkohl und Pinkel weiter feiert.

Gepökeltes, Gebratenes und süße Suppen

Geschlachtetes wird in Ostfriesland selten geräuchert, sondern eher gepökelt oder luftgetrocknet. Schinken, Speckseiten und Würste hingen in den Bauernküchen im “Wiem” von der Decke herunter, dicht beim offenen Feuer. Luftgetrocknete Schinken und Hartwürste („Pümmel“) sprechen für die Qualität der Metzger, hierzulande Schlachter genannt. Eine noch immer recht teuer Spezialität ist das „Nagelholz“, ein sehr hart gewordenes tief dunkles Dörrfleisch vom Rind, das hauchdünn geschnitten serviert wird.

Snirtjebraa ist ein weiteres beliebtes Fleischgericht der Ostfriesen. Frischer Nacken- oder Schulterbraten vom Schwein wird scharf angebraten und dann im Brattopf geschmort.

Suppen wurden in Ostfriesland erst mit der Ausbreitung moderner Kochherde Teil der Landesküche. Dem nördlichen Geschmack entsprechend sind es oft süße oder zumindest süßsaure Suppen, z. B. die würzige “Cremotateriesopp“, die “Plummsopp” mit Pflaumen und die “Sagosopp”, eine mit Sago angedickte Fruchtsuppe aus Holunderbeeren oder Rhabarber.

Mehr als eine Sättigungsbeilage ist der „Mählpüt“, ein Hefekloß, der in ein Tuch einknüpft, unter dem Deckel eines großen Topfes befestigt und dann im Wasserbad gegart wird. Er wird in Scheiben geschnitten serviert und entweder süß mit Birnen und ausgelassenem Speck oder herzhaft mit Zuckererbsen und Schinken verspeist.

Appetit auf Meer ?

Kutterfrische Krabben und fangfrischen Fisch gibt’s aufgrund der Lage an der Nordsee überall in Ostfriesland. Die köstlichen kleinen Krebse heißen „Granat“ und werden noch an Bord in Salzwasser gekocht und trugen der ganzen Küste den scherzhaften Beinamen “Costa Granata” ein.
Frischer Räucheraal ist landesweit beliebt und wird in den Restaurants schon mal zeitgemäß verfeinert – z.B. als Aalsalat mit Ratatouille – angeboten. Gebratene Makrelen, Hering in Sahnesauce, Salzheringe, Mattjes mit grünen Bohnen, gebratene Stinte und „Pannfisch“ (ursprünglich ein Reste-Essen) sind weitere Beispiele beliebter ostfriesischer Fischvariationen.

Wem wir jetzt Appetit gemacht haben, Ostfriesland auch mal kulinarisch zu erkunden, dem empfehlen wir als Ausgangspunkt für genießerische Ausflüge z.B. einen Wellnessurlaub an der Nordsee - in einem der Nordsee Wellnesshotels.