Monatsarchiv für August 2008

Die Schwäbische Küche: Mehr als Maultaschen und Spätzle

Montag, den 18. August 2008

SpätzleWer an schwäbisches Essen denkt, dem fallen zu allererst die weit über die Grenzen des „Schwoabeländles“ hinaus bekannten Teigwaren ein: Spätzle, die schwäbische Großmütter einst noch direkt vom Brett ins kochende Wasser schabten, sind lange schon zur internationalen Spezialität aufgestiegen: Als Beilage zu mit Essig gesäuerten Linsen und Saitenwürsten (Linsen und Spätzle), mit Semmelbröseln und gerösteten Zwiebeln, oder auch mit Käse überbacken, womit sie dann Käs’spätzle heißen und als eigenständiges Gericht serviert werden. Mehr zum Thema Spätzle gibts auch hier

Was der Herrgott nicht sieht

Auch Maultaschen, die zweite schwäbische Berühmtheit, begeistern Liebhaber weit über die Landesgrenzen hinaus: Teigtaschen, regional unterschiedlich gefüllt mit einer Mischung aus Hackfleisch, Spinat, Bratwurstbrät, eingeweichten Brötchen („Weckle“) und Gewürzen, die entweder in der Suppe gekocht, meist aber angebraten und ebenfalls mit Zwiebeln überbacken verzehrt werden. Auch die vegetarische Variante mit Spinat und Quark in der Füllung ist sehr delikat!
Die Spätzle sollen als Fastenspeise erfunden worden sein mit dem Kalkül, dass der gestrenge Herrgott das mit Spinat und Nudelteig getarnte Fleisch nicht erkennen werde. Man nennt sie deshalb mancherorts auch „Herrgottsbscheißerle“.

Dass es insbesondere Teigwaren sind, für die Schwaben berühmt ist, liegt an den kargen Lebensbedingungen, die z.B. in der Schwäbischen Alb über Jahrhunderte kaum Viehzucht erlaubten. Ebenso sorgte der pietistische Einfluss dafür, dass man sich nicht der Völlerei hingab und eher einfache Speisen (vor allem Mehlspeisen und Innereien) vorzog. Im Lauf der Zeit entstanden so wohlschmeckenden Spezialitäten, bei deren Genuss man den Braten auch heute noch nicht vermisst!

Schupfnudeln, Flädle, Pfitzauf

Außer Spätzle und Maultaschen finden sich noch weit mehr Gaumenfreuden unter den schwäbischen Teigwaren: Z.B. Schupfnudeln, auch „Buabaspitzla“ genannt: spitz zulaufende Klößchen, deren Teig zur Hälfte aus Mehl, zur Hälfte aus Kartoffelmehl besteht. Mit Sauerkraut angebraten und Kassler dazu ist es ein herzhaftes Hauptgericht, doch kann man sie auch süß, nämlich mit Apfelmus, Zucker und Zimt servieren.

Auch Schwäbische Pfannkuchen - in der Pfanne gebratene Eierkuchen - werden so zu einer beliebten Süßspeise, doch werden sie ebenso gerne mit einer kräftigen Hackfleischfüllung gereicht. Dicker als französische Crepes, aber deutlich dünner und fester als ein Omelett, eignen sich übrig gebliebene Pfannkuchen optimal zur Herstellung von „Flädle“: man schneidet sie in Streifen und gibt sie in eine klare Fleischbrühe, die damit zur „Flädle-Supp“ wird.

Die weniger bekannten „Pfitzauf“ sind eine wahrlich exotische Variante desselben einfachen Teigs, aus dem auch die Pfannkuchen gemacht werden: Zähflüssig in spezielle Pfitzaufformen gefüllt und im Ofen gebacken, poppen sie zu lockeren Souffles auf, die als Süßspeise (mit Apfelmus, Zucker und Zimt, eingemachten Früchten oder Vanillesoße) wunderbar munden. Man kann sie auch pikant mit Käse und Schinken kombinieren, doch ist diese moderne Weiterentwicklung nicht mehr ureigentlich schwäbisch.

Fleischgerichte

Natürlich besteht die schwäbische Küche nicht nur aus Teigwaren: neben Zwiebelrostbraten und Lammbraten ist insbesondere der schwäbische Sauerbraten erwähnenswert. Am besten wird er, wenn man ihn selber einlegt: Wein, Essig, Suppengemüse und Gewürze geben dem Rindsbraten binnen mindestens 4-tägiger Einlegezeit den besonderen, leicht säuerlichen Geschmack. Zusammen mit gestückelten Möhren wird das Fleisch dann gebraten und nach und nach der Sud dazu gegeben, der am Ende mit süßer Sahne verfeinert zu einer wohlschmeckenden Soße wird. Dazu gibt’s schwäbischen Kartoffelsalat (ohne Mayonnaise!) und natürlich Spätzle.

Auch die Vorliebe der Schwaben für Innereien hat sich bis heute erhalten, darunter Gerichte, die für manch einen gewöhnungsbedürftig sein mögen, doch empfiehlt sich auf jeden Fall ein unvoreingenommes Testessen! Zum Beispiel „saure Nierle“ oder „saure Leber“ mit Spätzle und grünem Salat, oder – für ganz Mutige – auch mal „saure Kutteln“: lange gekochter Rinderpansen, in Streifen geschnitten und süßsauer in einer Mehlschwitze zubereitet.

Ein Viertele schlotzen

Zu allen Gerichten empfiehlt sich ein „Viertele“ (0,25) des traditionellen schwäbischen Trollingers. Riesling, Trollinger, Schwarzriesling und Lemberger sind heute in Württemberg die führenden Sorten, doch trinkt man den Wein nicht, sondern „schlotzt“ ihn. Und zum schwäbischen Weinschorle gibt es den schmunzelnd vorgetragenen Tipp: Sonntags den Wein und Montags das Wasser trinken!

Und noch ein Urlaubstipp: Wie wäre es mit einem Wellnessurlaub im Schwarzwald ?

Kulinarisches aus Mecklenburg-Vorpommern

Sonntag, den 3. August 2008

Das Bundesland im äußersten Nordosten ist seit über 200 Jahren beliebtes Reiseziel: dünn besiedelt, im Norden die Ostseeküste, dazu die unzähligen Binnenseen, Flüsse und Kanäle der Mecklenburgischen Seenplatte.
Von der Lübecker Bucht bis zum Stettiner Haff zieht sich die wunderschöne Küstenlandschaft auf 340 km.
Prachtvolle Seebäder wie Kühlungsborn und Warnemünde laden zum Erholen ein, doch hat der Badebetrieb die sprichwörtliche Geruhsamkeit der Mecklenburger Bevölkerung niemals angekratzt.

Fisch: geräuchert und frisch

FischbrötchenAuch kulinarisch hat sich Mecklenburg seine Bodenständigkeit und Eigentümlichkeiten bewahrt.
Die Kartoffeln (auch Tüften genannt) spielen in verschiedensten Zubereitungsarten eine große Rolle, Grünkohl und „Süßsaures“ sind sehr beliebt.
Es wundert nicht, dass die Küche, wie auch andere norddeutsche Küchen, insgesamt eher deftig ist, doch dominiert auch der Fisch aus Meer- und Süßwasser die kulinarische Landschaft. Der Gast kann aus einem vielfältigen Angebot wählen: Besonders beliebt sind Flundern, Dorsch, Makrelen, Hechte und Karpfen. Große Heringschwärme ziehen im Frühjahr von Kattegatt vor die mecklenburgische Küste, wo die Fischer dann aus dem Vollen schöpfen.
Das Rostocker Heringsfest im März und die Dorschwoche im Oktober stehen ganz im Zeichen der verschiedenen Zubereitungsarten. Ob gebraten oder gesotten, der Fisch ist immer frisch; Gebackener Spickaal und Braden Maischull (gebratene Maischolle) sind Beispiele traditioneller Fischgerichte. Haltbar gemacht wird der Fisch immer schon mittels Räuchern: Der Appetit anregende Geruch der Räucherkammern begleitet den Besucher die ganze Küste entlang.

Deftiges mit Süßem

Wer nun meint, der Pommersche Kaviar, der sich auf mancher Speisekarte findet, habe etwas mit Fisch zu tun, irrt: Es handelt sich um Gänseflomen, gewürzt mit Majoran und Zwiebeln.
Die Mecklenburger lieben deftige Gerichte, bei denen man nicht unbedingt auf die Kalorien achten sollte. Der Speck der Schweine kommt in den Mecklenburger Speckkartoffelsalat und in den Speckkuchen, oder er wird zu feinem Schmalz verarbeitet. Als Geflügelbraten serviert man gerne Gans, doch hat natürlich auch die Pute vielerorts Einzug in die Gastronomie gehalten.
Mecklenburger Rippenbraten und panierter Kloppschinken sind weitere bodenständige Spezialitäten, wie auch die für Besucher eher exotischen Tollatschen: eine Art Kloß, der gern bei Schlachtfesten als Süßigkeit gereicht wird, bestehend aus Mehl, Zucker, Lebkuchengewürz, Semmelbrösel, Mandeln und Rosinen, aber auch Griebenschmalz und Schweineblut, abschließend in Fleischbrühe gegart.

Wie auch in anderen nördlichen Küchen liebt man in Mecklenburg-Vorpommern die Kombination von Fleisch, Wurst und Gemüse mit Früchten, vor allem Trockenobst wie Backpflaumen, die gerne zum Rippenbraten gereicht werden.
Klassiker sind auch Himmel und Erde (Äpfel und Kartoffeln), Grützwurst mit Apfelmus, Mecklenburger Pflaumenbraten mit Rotkohl und Salzkartoffeln, und „Appelgriebsch“: ein Schweineschmalz mit Äpfeln und Gewürzen.
Unter den Suppen sei die Fliederbeerensuppe erwähnt, eine Suppe aus Holunderbeeren mit Eierklößchen, die im Sommer erfrischt und im Winter Erkältungskrankheiten lindert. Als Nachtisch gibt es Rote Grütze, Mandelkringel und Schmandpudding.

Bierland MeckPom

FischbrötchenZu all den kräftigen Speisen passt am besten ein gutes Bier. An der Ostseeküste haben sich einige große, aber auch viele kleinere Brauereien angesiedelt.
In den altehrwürdigen Hansestädten Rostock und Stralsund sind die traditionsreichen Brauereien zuhause. Für interessierte Urlauber und alle Bierfreunde bietet die Hanseatische Brauerei Rostock Führungen an: Mulimedial und auch ganz real kann man die Bierherstellung besichtigen und danach ein ROSTOCKER Pilsener verkosten.

Alle Biere der verschiedensten Brauereien unterscheiden sich in Geschmack, Aroma, Farbe und Herstellungsverfahren. Jedes Bier weist aufgrund seines speziellen Entstehungsprozesses einen sortentypischen und eigenen Charakter auf. Das Bier wird nicht nur gerne getrunken, sondern auch als Zutat zum Kochen verwendet. Es wird im Biersud geschmort oder mit Schwarzbier verfeinert – die Gerichte erhalten so eine ganz eigene aromatische Note.
Wer Alkoholisches lieber vermeidet, sei noch auf den äußerst gesunden Sanddornsaft hingewiesen, der ebenfalls zu den Mecklenburger Spezialitäten zählt. Mit ihren orangefarbenen Beeren fallen die dornigen Sanddorn-Sträucher überall an der Küste ins Auge. Der kratzbürstige Strauch ist einer der wichtigsten einheimischer Energie-Lieferanten und gilt als natürliches Multivitaminpräparat.
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Als Ausgangspunkt für einen Urlaub in Mecklenburg, auf dessen kulinarische Seite wir Sie vielleicht neugierig gemacht haben, empfehlen z.B. ausgesuchte Wellnesshotels in MV.